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Christian Gülich
Veröffentlichungen zu
Soziologie und Wissenschaftsgeschichte
Die
hier angezeigten Publikationen sind
während meiner Forschungstätigkeit an der
Fakultät für
Soziologie der Universität
Bielefeld in den
achtziger und zu Beginn der neunziger Jahre
entstanden. Sie sind Ergebnisse sowohl verschiedener
Forschungsprojekte, teilweise finanziert von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, als
auch meiner Dissertation, die vom Deutschen
Akademischen Austauschdienst
und von der Studienstiftung
des Deutschen Volkes unterstützt
wurde. Wissenschaftsgeschichtlich
lag der Schwerpunkt auf den Wechselwirkungen zwischen deutscher
und französischer Soziologie in unterschiedlichen Epochen
(Georg
Simmel und Durkheim-Schule vor 1914 sowie die Emigrationszeit
nach 1933). Darüber hinaus galt mein Interesse aber auch wirtschaftssoziologischen
Fragestellungen (Korporatismus, Wirtschaftsdemokratie und soziale
Schichtung), wie sie von der Durkheim-Schule formuliert worden
sind. Die besondere Berücksichtigung der Durkheim-Schule
resultierte aus verschiedenen Studien- und Forschungsaufenthalten
in Aix-en-Provence, Paris und Straßburg. Weiter
führende
biographische und bibliographische Hinweise zu diesen wie auch
anderen Klassikern der Soziologie finden sich auch im
Online-Lexikon der 50
Klassiker der Soziologie der
Universität Graz.
Die
Durkheim-Schule und der
französische Solidarismus, Wiesbaden
1991. X, 347 Seiten,
Deutscher UniversitätsVerlag (Gabler-Vieweg-Westdeutscher
Verlag; zuerst Dissertation, Universität Bielefeld 1987).
Abstract: Das Buch
ist eine
historische Fallstudie zum Verhältnis sozialwissenschaftlicher
Theoriebildung und ihrer praktisch-politischen Umsetzung.
Analysiert wird dies an den Verbindungen zwischen dem politik-
und wirtschaftssoziologischen Ansatz der Durkheim-Schule und den
sozialreformerischen Bestrebungen des französischen
Solidarismus. Diese politische Strömung im Frankreich der
Dritten Republik (1870-1940) propagiert die soziale Gestaltung
der Wirtschaftsordnung im Sinne eines Dritten Weges zwischen
reiner Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft. Die
Stellung der Durkheim-Schule als Ganzer sowie die besondere
Position von Célestin Bouglé, einem der
wichtigsten Mitarbeiter
Durkheims bei Année Sociologique, in dieser Debatte
schließen
den historischen Teil ab. Bouglés Wirtschaftssoziologie
analysiert folgende Fragen u.a: Sozialstaatlichkeit,
Sozialbindung des Eigentums, individualistische und egalitäre
Elemente sozialer Schichtung, Interessenverbände und
Wirtschaftsdemokratie. Sowohl historisch als auch soziologisch
entsteht auf diese Weise das Gesamtbild einer solidarischen
Gesellschaft, die nach Durkheim auf der “organischen
Solidarität” beruht und die Vermittlung von zwei
Grundtendenzen jeder modernen Gesellschaft leisten muss:
Autonomie der individuellen und kollektiven Akteure sowie
Organisation sozialer Prozesse und Strukturen.
I.
Aufsätze, Rezensionen und
Übersetzungen
Propos
sur la frontière. De l'espace
considéré comme forme et symbole du politique,
in: Villes
mémoires, villes frontières. Numéro
spécial de la Revue des Sciences Sociales de la
France de
l'Est,
No. 19, S. 64-67,
Strasbourg 1992
Abstract: Die
Wiedervereinigung
der beiden deutschen Staaten wird unter der Perspektive der
politischen Symbolik von Grenze und Bewegungen im Raum
analysiert. Entscheidend ist die Massenbewegung von Ost nach West
seit dem Sommer 1989, deren politisch gewollte
“Umleitungen” zuerst über Ungarn, dann
über die
damalige Tschechoslowakei bis zum Fall der innerdeutschen Grenze
die ersten Etappen des staatlichen Zusammenbruches der DDR
markieren. Aber auch nach der Durchsetzung der Reisefreiheit geht
die Ost-West-Migration weiter und erscheint als elementare
Triebkraft zur vollständigen staatlichen Auflösung
der DDR.
Dieser Prozess verdeutlicht exzellent jene
“Räumlichkeit
der Macht”, von der soziologische Klassiker wie Max Weber,
Georg Simmel und Emile Durkheim in ihren frühen
morphologischen
Analysen sprachen.
Georg
Simmel und seine französische
Korrespondenz. Historische Rekonstruktion eines
wissenschaftlichen Netzwerkes um die Jahrhundertwende, in: Georg
Simmel. Special Issue of Critique
and Humanism International,
S. 7-29, Sofia 1992
Abstract: In einer
frühen Phase
seines wissenschaftlichen Werkes hat Georg Simmel
intensiv versucht, mit verschiedenen französischen Soziologen
und Philosophen in einen engen wissenschaftlichen und
persönlichen Austausch zu kommen. Dieses wird anhand seiner
Korrespondenzen mit René
Worms, Xavier Léon und Emile
Durkheim
rekonstruiert und auch der Frage nachgegangen,
inwieweit dieser Austausch Einfluss auf seine wissenschaftliche
Theoriebildung hatte.
Le
rôle de la coopération scientifique
internationale dans la constitution de la sociologie en Europe
(1890-1914), in: Les débuts des sciences de l'homme. Numéro
spécial de Communications,
édité par Bernard-Pierre
Lécuyer et
Benjamin Matalon, No. 54,
S. 105-117,1992
Abstract: Die Soziologie
als neue empirische Wissenschaft wird zwischen 1890 und 1914 in
Europa konstituiert. Dabei spielt die internationale Kooperation
verschiedenster Wissenschaftler mit unterschiedlichem nationalen
und disziplinären Hintergrund eine bedeutende Rolle. Diese
Kooperation wird in der Lehre an Hochschulen sowie mittels
anderer internationaler Organisationsformen aufgezeigt.
La
différenciation et la complication
sociales selon C. Bouglé et G. Simmel, in: G. Simmel et les
Sciences Humaines. Sous la direction de Patrick
Watier,
S. 133-149, Paris, Méridiens Klincksieck, 1992
Abstract: Die von
Georg Simmel
zuerst ausformulierte These der Kreuzung sozialer Kreise - als
konstitutives Merkmal funktional differenzierter moderner
Gesellschaften - wird von Célestin Bouglé durch
die Konzeption
der sozialen Verflechtung ergänzt. Dadurch entsteht ein bis
heute gültiges Modell zur Erklärung sozialer
Mobilität.
Rezension
von François
Léger:
La pensée de Georg Simmel. Contribution à
l’histoire des
idées en Allemagne au début du XXe
siècle, Paris 1989, in:
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpolitik,
1991, Heft
1, S. 153-155.
Französische
Übersetzung derselben
Rezension in: Mil Neuf Cent. Revue d'histoire intellectuelle, No.
10, 1992.
Übersetzung
ins Französische mit Petra
Kersten und Patrick
Watier:
Georg Simmel: Le
probleme de la sociologie
(aus: Soziologie. Untersuchungen
über
die Formen der Vergesellschaftung, Kap. 1, Leipzig 1908), in: G.
Simmel et les Sciences Humaines. Sous la direction de Patrick
Watier, S. 15-42, Paris, Méridiens Klincksiek, 1992
Co-Author
von: Formale Soziologie, in:
Soziologie-Lexikon, hg. von Gerd
Reinhold, S.
162-166,
München / Wien, R. Oldenbourg-Verlag, 1991
Abstract: Der
Begriff der Formalen
Soziologie geht auf Leopold von
Wiese und Georg
Simmel
zurück. Erklärt werden seine Entstehung,
methodischen Voraussetzungen und wissenschaftsgeschichtlichen
Wirkungen.
Co-Author
von: Gemeinschaft und
Gesellschaft, in: Politik-Lexikon, hg. von Eberhard
Holtmann,
S. 200-205, München / Wien, R. Oldenbourg-Verlag, 1991 (3.
Auflage 2000)
Abstract: Das
Begriffspaar
Gemeinschaft und Gesellschaft wird in seiner komplementären
Bedeutung zuerst von Ferdinand
Tönnies (1887)
entwickelt. Ihre sehr unterschiedliche sowohl wissenschaftliche
als auch politische Wirkungsgeschichte in der Weimarer Republik
sowie ihres Missbrauchs nach 1933 wird dargestellt.
Abschließend
wird auf ihre Verwendung in neueren theoretischen Ansätzen der
Mikrosoziologie und Sozialpsychologie eingegangen.
Célestin
Bouglé et Georg Simmel. Une
correspondance franco-allemande en sociologie, in: Les
correspondances dans la vie intellectuelle. Numéro
spécial de
Mil Neuf Cent. Revue d'histoire intellectuelle, No. 8, S. 59-72,
1990
Übersetzung
aus dem Französischen von Raymond
Boudon: Die
Erkenntnistheorie in Simmels "Philosophie
des Geldes", in: Zeitschrift für Soziologie, Jahrgang 18,
Heft 6, S. 413-425, 1989
"Organisation"
der Wirtschaft.
Von Durkheims Berufsgruppen zu Bouglés Solidarismus, in:
Zeitschrift für Soziologie, Jahrgang 18, Heft 3, S. 220-229,
1989
II.
Unveröffentlichte Arbeiten
- Die Bedeutung der Internationalität für
die Konstitution der Sozialwissenschaften im Europa des 19.
Jahrhunderts: zur Institutionalisierung der akademischen
Soziologie in Frankreich und Deutschland (1870-1914).
Abschlussbericht des Forschungsprojektes für die Deutsche
Forschungsgemeinschaft, Bielefeld 1991 (273 Seiten).
- Der Begriff der sozialen Differenzierung in
der frühen französischen Soziologie (1870-1900), in: Heinz-Jürgen
Dahme u.a.: Georg Simmels "Sociale
Differenzierung". Theoriebildung im Schnittpunkt von
Darwinismus, Kathedersozialismus, Kulturgeschichte, Kantianismus
und Völkerpsychologie. Abschlussbericht des
Forschungsprojektes
für die Deutsche Forschungsgemeinschaft, S. 123-142, Bielefeld
1989.
- mit Marie-Beatrice Charlin:
Soziologische Theoriebildung im französischen Zwischenexil
(1933-1940). Abschlußbericht des Forschungsprojektes
für die
Fakultät für Soziologie der Universität
Bielefeld, Bielefeld
1982 (179 Seiten).
- Die Konzeption der sozialen Schicht bei
Maurice Halbwachs. Diplomarbeit an der Fakultät für
Soziologie
der Universität Bielefeld, Bielefeld 1981 (140 Seiten). Abstract: Maurice
Halbwachs (1877-1945)
ist einer führenden Köpfe der Durkheim-Schule nach
dessen Tod
1917. In seinen theoretischen Schriften entwickelt er zentrale
Begriffe der Durkheimschen Soziologie weiter wie etwa kollektive
Psychologie, Arbeitsteilung oder Morphologie. Diese verwendet er
insbesondere für die Analyse sozialer Schichten:
Schichtbewusstsein und Organisationsformen, kollektives
Gedächtnis bei Aristokratie und Bürgertum, Einkommen
und
Konsumgewohnheiten der Arbeiterschaft, räumliche und soziale
Segregation in den Städten.