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Christian Gülich
DAS LIEBE GELD
Rede beim HanseRedner-Treffen im
September 2006
1. Einleitung
Allgemein
bekannt sind die Sprichwörter
"Zeit ist Geld" oder "beim Geld hört die
Freundschaft auf". Sie zeigen an, wie schwierig und
stressiig der Umgang mit Geld ist - selbst unter Freunden.
Speziell in Deutschland wird auch das Fehlen einer Aktienkultur
beklagt im Gegensatz etwa zu Großbritannien oder den USA.
Damit
soll angedeutet werden, dass selbst das Sprechen über Geld
entweder einem Tabu unterliegt oder aber zu wenig Allgemeinwissen
über Börse und Wertpapiere vorhanden ist.
In
meiner Rede möchte ich deshalb zunächst auf
einige Beispiele für diese Schwierigkeiten im Umgang mit Geld
eingehen und dann einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma
skizzieren, bei dem - wie ich meine - sich das Angenehme mit dem
Nützlichen verbinden lässt.
2. Tabuisierung
Aus
den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist
bekannt, wie sehr der soziale Status einer Person auch von
Einkommen und Vermögen abhängt. Dazu kommen Dinge wie
berufliche Position, Familienstatus, Wohnsituation und
natürlich
Bildung. Das alles hat sehr viel mit dem Selbstwertgefühl
einer
Person zu tun, und allein schon deshalb ist das Sprechen über
Geld so schwierig.
Die
strikte Tabuisierung des Themas Geld zeigt
sich z.B. auch darin, dass die Höhe der Einkommen der
Mitarbeiter eines Betriebes mit zu den am besten gehüteten
Betriebsgeheimnissen gehört. Sollte ein Mitarbeiter des
Lohnbüros sich hierbei etwas zu schulden kommen lassen,
wäre
die sofortige Entlassung wahrscheinlich.
3. Die beiden
äußersten Endpunkte der Geldskala
Den
einen Endpunkt bilden die Schuldner: es gibt
in Deutschland derzeit ca. drei Millionen überschuldete
Haushalte. Es stellt sich bei einem solchen Tatbestand sofort die
Frage nach dem Verhältnis von Eigenverantwortung und
Fremdverschulden. Sicherlich muss sehr häufig die
verführerische Werbung von Banken für
Konsumentenkredite
kritisiert werden, mit der die Kreditnehmer ohne eine
gewissenhafte Überprüfung ihrer finanziellen
Gesamtsituation,
besonders bei jüngeren, konfrontiert werden. Ganz extrem sind
so
genannte Haustürgeschäfte durch
Drückerkolonnen, mit denen
manche ahnungslose Konsumenten gerade zu überrumpelt werden.
Hierzu
gibt es einen Vers, der manchem bekannt
sein dürfte:
Wer nichts wird, wird Wirt.
Wem auch dieses nicht gelungen,
der verkauft Versicherungen.
Wer sich auch hier die Augen rieb,
der geht zum Strukturvertrieb.
Gehen
wir nun zum anderen Ende der Geldskala -
dort finden wir u.a. den Neureichen. Der Neureiche zeichnet sich
durch eine völlig ungehemmte und ungenierte Zurschaustellung
seines Geldbesitzes aus: protzige Armbanduhr, Goldkettchen, der
getunte, tiefer gelegte Sportwagen vor der Haustür. Durch sein
Verhalten zeigt er zwar seine Zugehörigkeit zum Geldadel an,
dennoch erntet er in aller Regel nur Spott - warum ? Ihm fehlt
die dezente, ja vornehme Zurückhaltung im Zeigen von
Wohlstand,
die das klassisch gebildete Bürgertum normalerweise
auszeichnet,
wenn es hanseatisch im besten Sinne des Wortes ist.
4. Zwischenfazit
Das
Thema Geld ist extrem emotionalisiert:
ungenierte Zurschaustellung und überzogene
Überlegenheitsgefühle einerseits, auf der anderen
Seite
Selbstzweifel, Versagensängste, sogar Neid. In diesen
Fällen
handelt es sich nicht um das "liebe Geld", sondern um
das "böse" Geld !
Dieser
negative Zustand wird noch immer
unterstützt durch das niedrige Allgemeinwissen der
Bevölkerung
zu Geldanlage und Vermögensbildung, zu Wertpapieren und
Börsenhandel.
5. Prekäre
Auswirkung auf die Notwendigkeit der
privaten Altersvorsorge
Allgemein
bekannt ist, dass die gesetzliche Rente
zukünftig nicht mehr den Lebensstandard sichern, sondern nur
noch eine Grundsicherung darstellen wird. Genaue Berechnungen der
so genannten "Versorgungslücke" halte ich für
unseriös, da niemand genau prognostizieren kann, wie hoch das
Rentenniveau in 10, 15 oder 20 Jahren sein wird. Hier kann also
nur von Wahrscheinlichkeiten gesprochen werden und die manchmal
betriebene Angstmache durch bestimmte Finanzvertriebe ist
eindeutig abzulehnen.
Dennoch
ist private Altersvorsorge dringend
notwendig, woraus genauso dringend grundlegende Änderungen in
der Einstellung zum Geld folgen müssen: zum einen
langfristiges
Sparen statt kurzfristiger Spekulation auf hohe Gewinne und zum
anderen die umfassende Aneignung von Finanzwissen zur gezielten
Auswahl seriöser Sparangebote. Beispielhaft sei hier auf die
Bücher und Broschüren der Verbraucherzentralen zum
Thema
Geldanlage verwiesen, es gibt aber auch viele andere
ausgezeichnete Autoren.
Das
langfristige Sparen nutzt den Zinseszinseffekt
aus, wodurch der Kleinsparer zwar nicht zum Millionär wird,
aber
im Rahmen seiner Möglichkeiten dennoch eine
beträchtliche Summe
bis zum Rentenbeginn anhäufen kann. Wenn nur 10% des
monatlichen
Nettoeinkommens regelmäßig und konsequent beiseite
gelegt
werden, kann bis Rentenbeginn im Idealfall ein Vielfaches des
Jahresbruttoeinkommens angespart werden!
6. Fazit
Die
Entwicklung einer Aktienkultur, die
Enttabuisierung des Themas Geld halte ich für dringend
notwendig. Die Beschäftigung mit dem Thema Geld befriedigt
dabei
nicht nur die intellektuelle Neugierde, sondern das Angenehme
kann mit dem Nützlichen verbunden werden:
Ich
erfahre etwas über die Funktionsweise
einzelner Wertpapiere (wie Bundesschatzbriefe, Festgeld,
Investmentfonds, Zertifikate usw.), über
Börsenprognosen und
Anlegerpsychologie, über allgemeine volkswirtschaftliche und
sogar politische Zusammenhänge (wie bei den BRIC-Fonds, die
Entwicklungen in Brasilien, Russland, Indien und China
kombinieren).
Gleichzeitig
habe ich den "angenehmen
Nebeneffekt", dass sich mein Erspartes - in aller Regel -
langsam, aber stetig vermehrt. Abschließend möchte
ich deshalb
dazu aufrufen: das Thema Geld geht jeden an und jeder kann davon
profitieren! Die Aneignung von Finanzwissen ist zwar anstrengend,
aber es lohnt sich in jeder Hinsicht.
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